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Physiotherapeut
Dirk Heinrichs
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News

Umarmen ist wie Tanzen: Man verlernt es auch in Zeiten sozialer Distanz nicht

Weihnachten, das Fest der Liebe und der Nähe. In diesem Jahr ist alles anders, Berührungen sind in Pandemie-Zeiten ein rares Gut geworden. Man umarmt seltener Freunde, Treffen sind limitiert, Freizeitbeschäftigungen wie gemeinsames Tanzen nicht möglich – Abstand gehört zum Anstand. Prof. Dr. Sabine Koch, Professorin für Tanz- und Bewegungstherapie an der SRH Hochschule Heidelberg, erklärt im Interview, welche Folgen dieses Social Distancing und das Fehlen von Berührungen auf die Psyche der Menschen haben – und wie man Berührungen ersetzen kann.

Frau Koch, vor einem Jahr hätten wir über diese Frage vielleicht noch gelacht. In Corona-Zeiten sind Berührungen zwischen den Menschen jedoch spürbar seltener geworden. Wie umarmt man sich eigentlich richtig? Und kann man das verlernen?
Nein, Berührungen sind wie Tanzen, das verlernt man nicht. Vielleicht tritt man nach längerer Tanzabstinenz dem Anderen mal auf den Fuß, aber die Schritte bleiben gleich. Schon vor Corona haben wir Umarmungen untersucht und festgestellt, dass es Phasen gibt. Wenn wir Umarmungen beenden wollen, geben wir Signale zur Ablösung: Wir klopfen auf den Rücken. Eine unserer Bachelorstudentinnen hat 60 Personen umarmt, deren Augen verbunden waren, sodass das Aussehen oder eventuelle Bekanntschaft irrelevant waren. Die Versuchspersonen sollten ein Taschentuch fallen lassen, sobald sie ein Signal von Ablösung wahrnehmen, und hier hat sich unsere Klopf-Hypothese bestätigt. Feste Umarmungen werden übrigens generell präferiert. Eine Beobachtungsstudie an öffentlichen Plätzen hat darüber hinaus gezeigt, wenn zwei Frauen oder ein Mann und eine Frau sich umarmen, dann gibt es diese Phase mit den sich hingebenden Rhythmen und einer späteren Ablösung. Aber wenn zwei Männer sich umarmen, dann fangen sie normalerweise gleich an zu klopfen. Die Ablösung geschieht früher.

Umarmungen und Tanzen haben viel gemeinsam. Setzt das Tanzen hier noch einen drauf?

Beim Tanzen umarmen wir uns dauerhaft, trennen uns wieder, kommen wieder zusammen. Wobei dies in der Tanztherapie auch anders ist – zumindest außerhalb der Gruppentherapie tanzen und bewegen wir uns auch viel alleine. Dabei spielen Bewegungsrhythmen eine ständige Rolle der Strukturierung und des Ausdrucks von Bedürfnissen. Beim Tanzen kommt noch die Musik dazu, die uns Schwung gibt oder verlangsamen kann. Auf die Signale des eigenen Körpers und des Gegenübers zu achten und sein Verhalten entsprechend zu steuern, das geschieht beim Tanzen wie beim Umarmen meist unbewusst und ist doch in allen Lebenslagen so wichtig.

Was passiert in diesen Momenten, wenn wir umarmt werden oder eben tanzen?

Die Haut ist ja das größte Sinnesorgan, das wir haben. Taktile Stimulation ist also sehr wichtig. Wenn wir berührt, gedrückt werden, schütten wir Glückshormone aus, vor allem Oxytocin. Dieser Boost für die Psyche zahlt auch aufs Immunsystem ein.

Nun fehlt dieser Boost aktuell an vielen Stellen, auch in der Ausbildung der
Tanztherapeut*innen. Können wir Berührungen in diesen Zeiten ersetzen?


Ja, Berührungen und Nähe fehlen uns allen. Alle Theorie-Fächer finden zurzeit online statt. Praxiseinheiten, die nur in Präsenz erfahrbar sind, erfolgen in kleinen Gruppen und natürlich unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen. Ehrlich gesagt, ist es mir manchmal lieber, auch praktische Einheiten online durchzuführen, denn am PC habe ich die Mimik der Studierenden vor Augen, nicht die Masken. Am Bildschirm kann man die ungewöhnliche Situation tatsächlich manchmal besser vergessen, weil auch hier eine ganz enge Verbindung und aktuell oft mehr Nähe entstehen kann als vor Ort.

Wir können uns vor den Bildschirmen selbst berühren, unsere Beine umschlingen, aber auch unsere Körper abklopfen. Wir alle schieben mehr Gegenstände herum oder drücken Kissen und andere Dinge. So binden wir auch Objekte ein oder arbeiten gedanklich interaktiv. Viele meiner Studierenden setzen sich auch auf den Boden, weil man dort mehr Berührungsfläche hat. Das ist auch bei der Arbeit mit Patienten möglich: Um die Körpergrenzen zu spüren, kann man sich selbst abklopfen, sich gemütlich hinlegen, natürlich auch tanzen. Das alles erproben wir im Unterricht. Wir werden sehr kreativ! Gerade jetzt merken wir, dass Tanztherapie hier viel bewirken kann, ob bei Einsamkeit oder körperlichen Einschränkungen.

Was fehlt Ihnen persönlich im Moment am meisten?

Das Rauskommen – ich bin aktuell fast rund um die Uhr im Homeoffice, und irgendwie unterscheiden sich die Wochentage fast nicht mehr von den Wochenenden. Da muss man schon ein bisschen auf sich selbst achten und auch mal an die frische Luft gehen. Meine Hauptkraftquelle ist momentan das Musik machen und das mantra-ähnliche Singen im Rahmen meiner Bewegungspraxis, der Capoeira. Solche kulturellen und künstlerischen Ressourcen sind in der Pandemie extrem wichtig, um aufzutanken und für sich zu sorgen. Aber wir wissen auch, dass es eine Phase ist, die zu Ende geht. Sich für eine gewisse Zeit selbst einschränken und neue Wege finden, das geht, wenn man weiß, dass es hilft Menschenleben zu retten.

Deutsche Krebshilfe rät zu Bewegung mit Abstand

Gerade jetzt, während des aktuell geltenden Lockdowns, nach den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel ist körperliche Aktivität besonders wichtig: Sie wirkt sich positiv auf die Psyche aus, stärkt das Immunsystem, hilft Übergewicht zu vermeiden und reduziert das Krebsrisiko. Daher rät die Deutsche Krebshilfe: Bleiben Sie in Bewegung! Nutzen Sie Bewegungsformen, die auch während der Covid-19-Pandemie möglich sind, ohne sich selbst und andere zu gefährden.

Sportstätten sind geschlossen, Mannschaftssport findet nicht statt und auch ein Training in Fitnesscentern ist nicht erlaubt. Die mit der Covid-19-Pandemie verbunden notwendigen Vorgaben zur Reduzierung von Kontakten schränken die Bewegungs- und Sportmöglichkeiten der Menschen stark ein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass auf ausreichend körperliche Aktivität verzichtet werden sollte. „Es gibt auch in der jetzigen Zeit ausreichend Möglichkeiten, sein Leben bewegungsreich zu gestalten, beispielsweise mit Spaziergängen im Wald, Joggen oder Walken auf wenig frequentierten Strecken oder mit Fitness- und Gymnastikübungen zuhause“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.  

Auch im Alltag ist Bewegung möglich und hilfreich. Wer anstatt mit Bus oder Bahn mit dem Rad fährt und die Treppe anstatt des Aufzugs nimmt, tut etwas für seine Gesundheit und kann gleichzeitig enge Kontakte zu anderen reduzieren.  

Wird die körperliche Aktivität über mehrere Wochen jedoch eingestellt, hat dieses auf den Körper negative Effekte: Bereits nach einigen Tagen steigt der Blutzuckerspiegel, der Stoffwechsel wird heruntergefahren und auf Dauer steigt der Blutdruck. Zudem kommt es zu einem Verlust der Ausdauerfähigkeit und etwas verzögert nimmt die Muskelkraft ab.  

Dauerhaft führt ein inaktiver Lebensstil – gemeinsam mit einer erhöhten Kalorienzufuhr – zu Übergewicht. Ein zu hohes Körpergewicht stellt langfristig ein gesundheitliches Problem dar. In den Fettzellen spielen sich Prozesse ab, die das Entstehen verschiedener Krebsarten begünstigen. Ein hoher Körperfettanteil erhöht das Krebsrisiko für insgesamt 13 Krebsarten.

Informationen und Hilfestellungen, um den Alltag bewegter zu organisieren – zum Beispiel in Arbeitspausen − bietet der Präventionsratgeber der Deutschen Krebshilfe 'Schritt für Schritt. Mehr Bewegung, weniger Krebsrisiko'. Der Ratgeber kann kostenfrei bestellt werden: Deutsche Krebshilfe, Buschstr. 32, 53113 Bonn oder im Internet unter www.krebshilfe.de/infomaterial.

19.01.2021 DGA | Quelle: Deutsche Krebshilfe (openPR)



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